BPMN: Konzept des Tokens oder Spielsteins

23.04.2013 |  | Allgemein | 1 Kommentar

Auf meine Frage an einen geschätzten Kollegen, was denn an der Modellierungssprache BPMN wichtig zu wissen sei, antwortete mir dieser: „Du musst das Konzept des Tokens oder des Spielsteins verstanden haben.“ Was ist nun das Konzept dieses Tokens?

Laut Wikipedia ist ein „Spielstein (auch Spielfigur, Pöppel oder Kegel) […] ein kleiner Gegenstand, der in einem Gesellschaftsspiel entweder einen der Spieler darstellt oder ein Teil dessen Mannschaft ist und stellvertretend für diesen auf den Spielfeldern gesetzt bzw. gezogen wird.“

Kurz: Der Spielstein wandert über das Spielbrett und symbolisiert den Stand des Spiels. Was bedeutet dies nun übertragen auf einen Prozess modelliert in der BPMN-Notation?

– Ein Spielstein steht für eine Ausführung oder den Durchlauf des Prozesses.
– Jeder Prozess startet, indem eine Spielfigur auf das Diagramm gesetzt wird.
– Jeder Prozess endet, wenn die Spielfigur vom Brett genommen wird.
– Jeder Prozess ist eindeutig an dem Punkt, an dem die Spielfigur steht.
– Es gibt spezielle Spielfelder, die die Spielfigur „aufteilen“ und „zusammenfassen“.

Ich übertrug diese Gedanken auf mir bekannte Prozesse und deren Abbildung in einem Modell. Das Konzept eines Tokens erschien mir logisch, in sich schlüssig und geeignet, um komplexe Unternehmensprozesse abzubilden.

Ein gutes Beispiel ist der Recruiting-Prozess, in dem jede Bewerbung eine Instanz = ein Token (Spielstein) ist. Dieser Sachverhalt lässt sich mittels einer HR-Software sehr gut als Workflow modellieren und ausführen.

Also sind durch dieses Token-Konzept die modellierten Prozesse software-seitig gut implementier- und ausführbar, da diese sich in einem eindeutig definierten Zustand befinden – also stellvertretend […] auf den Spielfeldern gesetzt bzw. gezogen“ werden. Wie so oft, wenn man sich mit einem Thema intensiv beschäftigt, fallen einem Ausnahmen oder Bespiele ein, bei denen das durchdachte Konzept nicht mehr greift.

Ich wandte mich abermals mit diesen Ausnahmen an den besagten Experten in unserem Team, der kurz beschied: „Für alles, was in diesem Konzept nicht abbildbar ist, sind in der BPMN die Nachrichten da!“ Was bedeutet dies für mein Beispiel des Recruiting-Prozesses? Nachrichten werden z.B. dann benötigt, wenn ein Bewerber eingestellt wird. Dann ändert sich der Ablauf aller Instanzen. Was passiert dann mit den anderen Bewerbern? Wie geht es in ihrer Prozessinstanz jetzt weiter, erhalten sie z.B. eine Absage der HR-Abteilung? Diese und weitere Fragen wirken auf die Prozesse ein.

Der eine Token beeinflusst damit also aktiv die anderen Prozesse. Über diesen neuen Zustand müssen diese Prozesse informiert – also benachrichtigt – werden. Und genau diese Nachrichten werden Teil meines nächsten Beitrags zum Thema „Business Process Modelling Notation (BPMN)“ sein!!

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Dies ist nur ein GravatarDirk Pütz

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Alle Kommentare
  • Martin Ahleff

    30.05.2013, 13:27 Uhr

    Hallo Dirk,
    diese Analogie zwischen BPM(N) und den Spielsteinen gefält mir, weil es sehr anschaulich ist und tatsächlich auch ein Zusammenhang besteht. Allerdings hätte man auch auf das Gesellschaftsspiel „Monopoly“ Bezug nehmen können, da hier im Besonderen das Streben nach Effizienz im Vordergrund steht. Denn was nützt der best-beschriebene Prozeß, wenn „da hinten nix raus kommt“ oder einfach der Ressourcen-Aufwand in einem schlechtem Verhältnis zum Ertrag steht.
    Also, ja, der definierte Prozeß legt den Standard fest, aber nur die Intuition, die Kreativität und die Erfahrung entscheidet über „gut“ oder „schlecht“. Denn nicht alle Wege führen über „Los“.
    Welche Kriterien legt man/ihr an, um über die Güte des Prozesses Auskunft zu geben ?

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