CRM 2.0 – Wenn aus Kunden Kollegen werden

12.05.2014 |  | Berateralltag | Keine Kommentare

„Bitte finden Sie sich im Raum 412 ein“ lautete die knappe, nicht gerade freundliche Antwort, die ein Mitarbeiter auf seine Mail zu einem ARIS-Seminar erhalten hatte. Wir waren zu einem ARIS-Training engagiert worden. „Könntest Du bitte mit dazukommen, das ist mir nicht geheuer“, bat jener Consultant mich. Kürze und Ton der Antwort ließen vermuten, dort nicht unbedingt auf Freunde des Themas „Prozessmodellierung“ zu stoßen.

Dies war der erste Moment, in dem ich mit Harald Dormann und seinem damaligen QM-Team bei Siemens im Jahr 2001 in Kontakt kam. Harald Dormann war damals Leiter „Qualitätsmanagement“ und somit für das Regelwerk von Prozessen und Verfahrensanweisungen in der Geschäftseinheit Bahn-Elektrifizierung zuständig. Für meinen Mitarbeiter und mich war es äußerst ungewöhnlich, dass die Leitung einer QM-Abteilung an einer Software-Schulung für Anfänger teilzunehmen gedenkt.

Als Hintergrund muss der Leser wissen, dass ARIS bei der Siemens AG bereits  im Jahr 2001 Standard für die Prozessmodellierung war und es und bis heute ist, d.h. dieses BPM Tool ist als konzernweite Standard-Software in der Organisation anzuwenden. Wie von uns erwartet, trafen wir in dem Seminar-Raum nicht auf motivierte Teilnehmer, sondern – positiv formuliert – auf kritische Frager zum Thema „datenbankgestützte Prozessmodellierung“.

Trotz damaliger unterschiedlichen Ansichten zwischen Harald Dormann und mir über Sinn und Unsinn von Prozessen merkte ich schnell: Der Typ ist erfrischend anders – sein Credo für diesen Tag: „Dann überzeugt uns mal“.So veranstalten wir statt einer Schulung einen Workshop, in dem wir versuchten, alle uns genannten Kritikpunkte akribisch auszuräumen.

Zu Beginn stießen wir auf eine „Mauer der Schweigens“ – wenn nicht gar der Ablehnung. Der Chef des Teams schien der schwerste Brocken zu sein, den es also zu gewinnen galt. Sein Pokerface ließ keine Reaktion erkennen und uns schwante daher nichts Gutes.

Überraschenderweise ließ der Skeptiker Harald Dormann uns externe Consultants aber nicht – wie von uns erwartet – „auflaufen“, sondern sagte plötzlich, offensichtlich den Sinn des Themas erkennend: „Ok –  ich denke, wir haben verstanden! Dann werden wir mal unser QM-System um diese prozessorientierte Darstellung erweitern.“In den folgenden Monaten wurde dies – ohne Wenn und Aber – innerhalb seiner Einheit systematisch umgesetzt, und wir durften als Berater hierbei technisch und methodisch unterstützen.

Viel mehr noch – ich vertrat das Thema „Prozesse und ARIS“ auch im Rahmen eines bereichsweiten Projektes in diversen Konzerngremien und Meetings. In diesen Runden war oft auch Harald Dormann auch als QM-Leiter anwesend und unterstützte mich. Nein, viel mehr noch, er stellte sich als unsere „Referenz“ in den teilweise turbulent geführten Diskussionen zur Verfügung und postulierte: „Seht her – ich war einer der größten Gegner – heute bin ich überzeugter Anwender!“

In der Folgezeit kreuzten sich immer wieder unsere beruflichen Wege. Er entwickelte sich weiter in Richtung Trainer und Coach von Führungskräften und ich durfte dankenswerter Weise weiter als externer Berater in diversen Projekten für den größten Technologie-Konzern Deutschland tätig sein.

Warum erzähle ich dies alles: Erstens hätte ich bei unserer ersten Begegnung vor fast 14 Jahren nie gedacht, dass wir beide einmal als Kollegen in einer Firma zusammenarbeiten werden – denn seit dem 1. Mai bereichert Harald Dormann unser Headframe-Team.

Und zweitens hatte ich schon bei ersten Treffen den Eindruck: Harald Dormann ist bei aller Professionalität auch sehr unkonventionell. Seine Flexibilität und Lernfähigkeit haben mich schon damals überzeugt.  Dies zeigt auch sein aktueller Schritt: Anstatt sein Berufsleben in Ruhe ausklingen zu lassen, brennt er darauf weiter seine Trainings durchzuführen und sein Wissen mit den Teilnehmern zu teilen.  Wir jedenfalls freuen uns, einen so erfahrenden und „unruhigen Geist“ im Headframe-Team begrüßen zu dürfen.

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Dies ist nur ein GravatarDirk Pütz

Unser Spezialist für offene Kommunikation – sowohl im Team als auch gegenüber dem Kunden.

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