Introvertierter und Berater? Unmöglich!

17.06.2014 |  | Berateralltag, Personal | Keine Kommentare

Doch! Wobei ich zugeben muss – die Unternehmenswelt wird definitiv von Extrovertierten dominiert – oder wenigstens sind das die Leute, die einem ins Auge fallen. Jedoch sind nach unterschiedlichen Schätzungen 30 bis 50 Prozent der Bevölkerung introvertiert. Sind sie von bestimmten Karrierewegen dann ausgeschlossen? Gar nicht. Dazu kann ich diesen absolut wunderschönen TED-Talk von Susan Cain (auch mit deutschen Untertiteln!) empfehlen. Ich werde aber auch ein paar Sachen aus eigener Erfahrung berichten:

Der Hauptunterschied zwischen extrovertierten und introvertierten Menschen liegt darin, wie sie ihre Energie verbrauchen bzw. aufladen – während „Extros“ in der Geselligkeit Erholung finden, brauchen „Intros“ Ruhe und Zeit mit sich selbst, um Kraft zu gewinnen. Das kann im Berufsleben, z. B. bei großen Gruppen-Meetings oder Vorträgen vor mehreren Personen, ein paar Unannehmlichkeiten mit sich bringen. Verlieren Sie aber nicht die Hoffnung, es gibt Auswege!

Was einem Extrovertierten leicht von der Hand geht, muss ein Introvertierter ein bisschen mehr üben. Ich kann mich gut an einen 3-tägigen Präsentationskurs erinnern, zu dem ich als Werkstudent von einer früheren Chefin geschickt wurde. Die ersten zwei Tage waren für mich purer Horror – ich kann mich bis heute an nichts anderes erinnern, das mich so sehr physisch und psychisch erschöpft hat. Aber am letzten Tag passierte etwas Bemerkenswertes – ich hatte plötzlich Spaß am Präsentieren! Natürlich spielte damals eine Rolle, dass ich bis zum Ende der Schulung die Leute und den Kursleiter schon kannte und mich an ihre Präsenz gewöhnt hatte, aber trotzdem: Übung macht den Meister!

Es sind aber nicht nur Nachteile, die „Intros“ in den Berateralltag mitbringen. Sie hören gut zu, in der Regel arbeiten sie auch über längere Zeiträume an einer Aufgabe sehr konzentriert, was Extrovertierten schwer fällt, und sie neigen von Natur aus zu analytischem Denken. Ich kann es bestätigen: das Lob, das ich bisher am häufigsten für meine Arbeit von Kunden bekommen habe, ist, dass ich mitdenke und oft auf Einzelheiten achte, die andere gar nicht interessieren, sich im Endeffekt aber trotzdem als wichtig erwiesen haben.

Als Fazit möchte ich nur sagen, dass jeder Mensch in sich sowohl introvertierte als auch extrovertierte Eigenschaften kombiniert. Auch wenn Sie auf der ruhigeren Seite des Spektrums stehen, keine Angst! Wenn ein „Intro“ es geschafft hat, dreimal in Folge Bundeskanzlerin zu werden, steht Ihnen definitiv nichts im Wege zu einem erfolgreichen Unternehmensberater.

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Dies ist nur ein GravatarAndrey Atanasov

Unser engagierter Consultant verbirgt hinter seiner sympathischen Bescheidenheit profundes Fachwissen und ein hohes Maß an analytischem Verstand.

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