„Längs oder quer?“ – das ist im ARIS (k)eine Frage

13.03.2013 |  | Allgemein | Kommentare geschlossen

„EPK* oder swimlanes?“: Manche Fragestellungen laufen einem im Berateralltag tatsächlich nicht nur einmal über den Weg, und mit der einleitenden Frage geht es mir persönlich da nicht anders. Um es vorweg zu nehmen – es gibt leider nicht DIE Lösung, und auch wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass beide Darstellungsmethoden gleich gut oder schlecht sind. Okay, ich kann dem Kunden natürlich die gängigen Pro- und Contra-Argumente präsentieren:

Pro Swimlane
– Ausführender und Übergänge von Verantwortlichkeiten sind auf einen Blick zu erkennen
– Reduzierte management-taugliche Darstellungsart mit den wichtigsten Infos auf einen Blick

Contra Swimlane
– Prozesse mit vielen Verzweigungen und unterschiedlichen Ausführenden sind in swimlanes unübersichtlicher (Stichwort „Kantenüberschneidungen“)
– Werden verschiedene Objekttypen rund um die Funktion modelliert, wird die swimlane unübersichtlich

(Aus den Pro- und Contra-Punkten der swimlane lassen sich einfach die gegensätzlichen Contra- bzw. Pro-Punkte der EPK ableiten.)

Aber bringt uns das so die Lösung? Nein, natürlich nicht, das wäre ja zu einfach. Man entscheidet also individuell und – überraschenderweise – auch unter Einbeziehung der Kundensituation: (Und siehe da – auch hier ist die Kundensituation wieder nicht unerheblich für uns als Berater…)

Wir fragen daher den Kunden unter anderem:
– Wo kommst Du her/wo stehst Du jetzt?
– Sind die Prozesse schon in anderer Form dokumentiert?
– Wie detailliert ist die Dokumentation?
– Arbeiten die Abteilungen zusammen?
– Gibt es ein ausgeprägtes Abteilungsdenken?
– Welche Abteilungen wollen die Prozesse dokumentieren?

Was willst Du mit der Modellierung erreichen?
– Reine Dokumentation als Ergebnis einer Prozessaufnahme,
– Erstellung von Unterlagen über die Prozesse, z.B. zu Schulungszwecken oder zur Veröffentlichung,
– Dokumentation der Tätigkeiten zur Abgrenzung zwischen Abteilungen,
– Reduzierung von Abteilungsdenken oder Schaffen von Abteilungsdenken,
– Erstellung von Schulungsunterlagen,
– Erfüllung von Audit-Zielen etc.

Tja, und was bringt mir das, wie soll man sich nun entscheiden? Als Berater helfe ich dem Kunden, die richtigen Fragen zu stellen, zu dokumentieren und mit den Pros und Contras der beiden Modelltypen zusammenzubringen. Der Verantwortliche für die Prozessmodellierung beim Kunden kann dann abwägen, welcher Typ für SEINE Firma und Situation die richtige ist und sich entsprechend entscheiden – nicht mehr und nicht weniger lautet meine Lösung zu dieser Frage.

Aus der Praxis kann ich sagen: In meinen letzten beiden Projekten hat sich der Kunde einmal so – einmal so entschieden – und beide Kunden sind mit ihrer Entscheidung zufrieden!

*EPK = Ereignisgesteuerte Prozesskette

 

Tags:

Dies ist nur ein GravatarMaren Melzer

„Ohne Struktur geht es nicht!“ - Diese Grundlage ihrer Arbeitsweise in Verbindung mit ihrem fundierten Verständnis für Prozesse sorgt dafür, dass sich die Kunden mit ihren Prozessen gut aufgehoben fühlen.