Nur wo Licht ist, ist auch Schatten – von ARIS Definitionen und Ausprägungen

16.03.2015 |  | ARIS Consulting | Keine Kommentare

Es ist mal wieder soweit: „Maren, schreib doch was für den Blog“, meint mein Chef. Na super. Worüber denn? Ich schreibe ja eigentlich ganz gern über die „kleinen ARIS-Fallen“ und während ich so darüber nachdenke, fallen mir tatsächlich die beiden Einsteiger-Coachings ein, die ich letzten Monat gehalten habe: obwohl mir dafür jeweils 170 Seiten Schulungsmaterial zur Verfügung standen, haben wir den größten Teil des Tages über ein Thema gesprochen: Ausprägungen und Definitionen in ARIS. Und warum? Weil das Verständnis der Struktur und das klare Unterscheiden von Definition/Ausprägung aus meiner Sicht unbedingte Voraussetzungen für alles Modellieren und Werken in der Datenbank sind.

Wie man Modelle und Objekte malt, ist in der Regel schnell erklärt, und auch unterstützen die ARIS-Hilfe und das Internet, wenn man mal nicht weiterkommt. Hat man jedoch nicht verstanden, wie und wo man die Objekte anlegt, wo diese „liegen“ und wie sie ausgeprägt werden und warum man „mal so und mal so“ kopiert (Ausprägungs- oder Definitionskopie), so kann man zwar hübsche Modelle malen, zerstört aber vielleicht die mühsam aufgebaute Struktur der Datenbank im Hintergrund oder treibt die Kollegen in den Wahnsinn, da man versehentlich von ihnen verwendete Objekte löscht bzw. modifiziert.

Aber genug der Einführung, was ist denn nun inhaltlich wichtig? In ARIS unterscheidet man zwischen Definition und Ausprägung.

Die Objektdefinition IST das Objekt. Es liegt in einer Gruppe auf der Datenbank, seine Attribute sind gefüllt und es wird in der Regel von einem zentralen Administrator gehegt, gepflegt und verwaltet. Im Idealfall (weil alle Beteiligten die Thematik gut umsetzen) existiert es genau EINMAL. Sind mehrere Bereiche an der Datenbank beteiligt, so teilen sie sich den „Besitz“ dieses Objektes.

Darüber hinaus gibt es die Ausprägung. Damit bezeichnet man die Verwendung einer Objektdefinition. Ich benutze also ein bereits angelegtes Objekt in meinem Modell, ohne es in irgendeiner Form zu verändern. Denn WENN ich etwas an dieser Ausprägung ändere, ändere ich dies automatisch in allen anderen Ausprägungen in der gleichen Form. Und das ist in den seltensten Fällen mit Absicht oder gar gewünscht.

Was passiert nun, wenn ich eine Kopie erstellen möchte? Zuerst einmal muss ich unterscheiden, was der Zweck der Kopie ist. Möchte ich genau dasselbe Objekt ein zweites Mal erhalten, mit allen seinen Eigenschaften und Attributen? Also quasi einen Klon? Dann brauche ich eine Definitionskopie. Beispiele wären hier Operatoren, Ereignisse, Funktionen

Damit schaffe ich einen weiteren Eintrag in einer Gruppe der Datenbank. Und da wir jedes Objekt im Idealfall ja nur einmal haben möchten, sollte man im folgenden Schritt zwingend den Namen abändern und es somit eindeutig vom kopierten Objekt unterscheiden.

Die Merkmale sind, das Erzeugen eines eigenständigen Datenbanken-Eintrags, die Kopie aller Eigenschaften und Attributwerte und dass sich Attributänderungen sich nicht auf das Original-Objekt auswirken! Die Anwendung erfolgt bei der Kopie von Funktionen und Ereignissen, wenn ein Objekt mit sehr vielen Attributwerten in ähnlicher Form benötigt wird. Wichtig: Bitte möglichst den Namen der Definitionskopie ändern! (Spezifizieren). Beispiel „Daten eingeben“: Es gibt mehrere Daten, die zu mehreren Zwecken eingegeben werden → Definitionskopie erstellen und zweifelsfrei benennen (z.B. „Kundendaten für Rechnung eingeben“)

Oder möchte ich ein bestehendes Objekt einfach nur ein weiteres Mal verwenden und brauche es deswegen nochmals? Dann brauche ich eine Ausprägungskopie.

Die Merkmale sind u.a. Attribut-Änderungen (z.B. Name, Langbezeichnung) wirken sich auf alle Ausprägungen aus und Stammdaten lassen sich dadurch analysieren (z.B. Welche Tätigkeiten werden vom Einkauf ausgeführt). Die Anwendung erfolgt bei allen Stammdaten, d.h. Organisationseinheiten, Rollen, externen Personen, IT-Systemen, Dokumenten/Leistungen und bei Prozess-Schnittstellen und Schnittstellen-Ereignissen. Beispiel „Personalabteilung“: Es gibt nur eine Personalabteilung, genau diese ist immer gemeint → Ausprägungskopie

Hat man diese Unterscheidungen verstanden, dann versteht man auch die Problematik des Löschens: lösche ich eine Objektdefinition (z.B. im Rahmen der Gruppenstruktur), so lösche ich automatisch auch alle Verwendungen (=Ausprägungen) in den Modellen. Lösche ich nur eine Ausprägung, so ist nur diese eine Verwendung gelöscht, die zugrundeliegende Objektdefinition und alle anderen Ausprägungen sind jedoch noch vorhanden.

Aber was hat das jetzt mit der Überschrift zu tun? Ich habe dem Kollegen das zur Veranschaulichung so erklärt: die Objektdefinition ist die Person, die den Schatten wirft und die Ausprägung ist der Schatten. Mache ich das Licht aus, also lösche ich eine Ausprägung, gibt es zwar keinen Schatten mehr, das Objekt ist jedoch noch da. Nehme ich aber das Objekt weg (=Löschen der Definition), sind alle Schatten (=Ausprägungen) weg.

Ich hoffe, ihm und den Lesern ist damit ein Licht aufgegangen… Bis dahin alles Gute

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