Wer bin ich und wenn ja, wie viele? – Erlebnisfaktor Mitarbeiterschulung

19.10.2014 |  | Personal, Psychologie im Business | Keine Kommentare

„Steal with pride!“, hat eine Kundin von uns mal gesagt. Daher klaue ich jetzt ganz unverschämt den Titel von Richard David Prechts Versuch, die wichtigen Fragen der menschlichen Existenz näher zu beleuchten, um über unsere Mitarbeiterschulung im Frühsommer zu berichten. Das ist zwar auch schon eine Weile her, aber, wie das immer so ist, Tagesgeschäft geht eben vor. Um nochmal auf Herrn Precht und sein Buch zurückzukommen – ich habe es ehrlich gesagt nicht gelesen, der Titel aber ist hängengeblieben (ein Hoch auf den hippen Lektor!) und fiel mir sofort ein, als unser damals neuer Kollege Harald Dormann das Thema seines Vortrags im Rahmen der Mitarbeiterschulung vorstellte: Es ging im Wesentlichen um das Teilpersönlichkeitsmodell, wie es in den Kommunikationsmodellen des Psychologen Friedemann Schulz von Thun zum Ausdruck kommt.

Der neue Kollege, den meisten von uns unbekannt, aber mit ordentlich Vorschusslorbeeren ausgestattet, betritt also den Schulungsraum – kein Laptop zu sehen, dafür aber eine Schaar liebevoll gestalteter „Pappkameraden“ sowie eine ziemlich große Bühne, die sich als Zeichnung fast über die gesamte Breite des Raumes erstreckt. Er referiert über die verschiedenen Persönlichkeitstypen, die alle in unterschiedlicher Ausprägung in uns wohnen und mal mehr oder weniger im Vordergrund (dieser Bühne) agieren, teilweise von uns auch ins Abseits verbannt. Das ist logisch und unterhaltsam zugleich, und man ist schnell überzeugt, dass auch die nach außen hin wenig charmant erscheinenden Teile unserer Persönlichkeit ihre Daseinsberechtigung haben, ja, manchmal sogar notwendig sind und nicht dauerhaft verbannt werden sollten. Im Grunde weiß das ja jeder, aber das Modell mit den Teilpersönlichkeiten, bei dem nach Bedarf die ein oder andere Figur in den Vordergrund geschoben wird, hinterlässt das beruhigende Gefühl, dass man aktiv in das Geschehen in seinem Inneren eingreifen kann.

Um es plastisch zu machen: Wenn Überlastung und Burnout drohen, muss Heldentenor „Dieter Dynamo“ mal ein bisschen den Komparsen geben und „Rudi Ruhe“ wird zum Protagonisten. Kritisch mag an dieser Stelle eingewandt werden, dass mir als großem Freund der Systemtheorie (mit der man meines Erachtens die ganze Welt erklären kann) allerdings ein wenig die Betrachtung der Umwelt fehlt, die ja nun einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Akteure auf der Bühne hat, vielleicht hätte das aber auch den Rahmen des Vortrags gesprengt.

Der neue Kollege stellt weitere Typen vor: Den Sportler, den Kreativen, den Zen-Meister, bei dem ein oder anderen findet man sich mehr oder weniger wieder. Irgendwann heißt es dann: „So, Mädels, jetzt brauche ich mal Eure Hilfe! Macht mal ne Samba für mich!“, und Harald verlässt den Raum. Eifrig wird in Handtaschen nach den Smartphones gewühlt (endlich, mal sehen, was so los ist!). Irgendwer findet bei irgendeinem Musikanbieter einen Song, der nach Fußball-WM klingt und von den Goldstar-Tanzabzeichen-Inhabern unter uns (ok, ist nur einer) als Samba identifiziert wird. Diese Melodie scheppert also aus dem auf dem Seminartisch liegenden Handy in miserabelster Qualität, und wir blicken uns gespannt an: Man muss wissen, Harald ist selbst nur knapp am Profitänzer vorbeigeschrappt, was macht der jetzt da draußen? Der hat doch was von ‘nem Latino erzählt….Der wird doch wohl nicht….?

Der wird! Die Tür geht auf und herein kommt Harald – im schwarzen Satinanzug inklusive Bauchnabeldekolleté und Glitzerkette, um mal so richtig den Latino raushängen zu lassen, eine Reinkarnation des Machismo, den er aus jeder Pore ausströmt. So sieht das also aus, wenn man die eine oder andere Teilpersönlichkeit auf die Bühne holt. Und so können Schulungen sein – kurzweilig, informativ und unterhaltsam zugleich, mit hohem Aufmerksamkeitsfaktor und – für uns Mädels auf jeden Fall – mit jeder Menge Spaß. Und wer sich nun weniger für den Erlebnisfaktor unserer Schulung interessiert, sondern eher für den wissenschaftlichen Ansatz von Schulz von Thun, dem sei der Blog-Beitrag von Harald Dormann ans Herz gelegt.

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Dies ist nur ein GravatarTheresa Mühl

Unsere engagierte und versierte Beraterin u.a. für die Bereiche Prozessmanagement-Methoden und –Tools.

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